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Home Mügeln und Umgebung Sehenswertes Schweinitzer Bergen
„Da sitzt sich's gut beim Glase Wein am Bergeshang gewachsen", heißt es im Jessener Schulfestlied
von Oberpfarrer Ludwig Hosch, als hätte er schon gewusst, mit welcher Begeisterung seit 1993 am jeweiligen Dienstag der Schulfestwoche die Jessener auf der Freilichtbühne am Himmelsberg die Kürung ihrer Weinprinzessin feiern.

Zu Zeiten Ludwig Hoschs zogen sonntags die Jessener und Schweinitzer Bürger mit ihren Gästen auf die Berge, um bei Schmidts, Winters, Döbelts, Elstermanns oder Naugks einzukehren. Dort wurde in der „guten Stube" oder in der Laube auf dem Hof Wein gereicht, und wer wollte, konnte „Fettbemmen" von selbstgebackenem Brot mit Bratwurst oder Käse dazu essen. An diese Tradition knüpfen seit Anfang der neunziger Jahre alteingesessene Winzerfamilien der Jessener Berge an. 1993 wurde das erste Mal eine Jessener Weinprinzessin gekürt.

Eine wunderschöne Schulfesttradition ist entstanden, die keiner mehr missen möchte.

Der Ursprung des Jessen-Schweinitzer Weinbaus und seine Blüte in sächsischer Zeit

Bis zum heutigen Stand hatte der Jessen-Schweinitzer Weinbau einen mehrhundertjährigen Weg über viele Höhen und Tiefen zurückzulegen. Am Anfang stand der Mönchsorden der Antoniter, mit deren Tätigkeit im
frühen Mittelalter die Einführung des Weinbaus in unserer Gegend verbunden ist. Der verdienstvolle Heimatforscher Fritz Stoy schreibt in seiner Arbeit „Vom Weinbau auf den Gorrenbergen im Schweinitzer Lande", dass die erste urkundliche Erwähnung „der agker uff dem Gorrenberge" von 1420 datiert ist. Im 15. und 16. Jahrhundert erreichte der Weinbau ausdehnungsmäßig seine Blüte. 1200 Morgen = 300 ha sollen insgesamt die Rebflächen betragen haben. Von dem Reformator Martin Luther ist überliefert, dass er ein Freund des Gorrenberger Weines gewesen sei. Scherzhaft schreibt er im Frühjahr 1523 an seinen Freund Spalatin „Der gute und reine Wein, den wir getrunken, war sicherlich aus dem kurfürstlichen Keller, und wir wären treffliche Evangelische gewest, wenn das Evangelium auf diese Weise uns satt machen wollte".
Der Gorrenberger Wein gehörte zum sächsischen Hof. Hier wurde als Arbeitsanweisung für die hiesigen Winzermeister eine „Churfürstlich Sächsische Weingebürgsordnung" vom 23.04.1581 herausgegeben. Sie trägt die Unterschrift von Kurfürst Christian. Mit geringen Änderungen versehen, brachte sie die Landesbehörde immer wieder in Erinnerung. Die letzte Dienstanweisung ist die „Instructio, Wonach sich der in Königl. Sächs. Gorrenberger Neubergen versetzte und am 13. August 1807 in Pflicht genommene Winzermeister Johann Gottlob Schmidt zu achten hat" vom 18.09.1809. In den Ordnungen werden bis zu 26 verschiedene Tätigkeiten aufgeführt, die der Winzer das Jahr über zu leisten hatte. Beträchtliche Mengen des im Amte Schweinitz erzeugten Weinmostes mussten in die Torgauer Schlosskellerei geliefert werden. In den Jahren 1711 bis 1720 waren es immerhin 13.488 Eimer gleich 903.898 Liter, während von 1761 bis 1770 nur 1878 Eimer gleich 125.828 Liter geliefert wurden. Aber auch in Schweinitz wurde Wein gekeltert. In einer älteren heimatkundlichen Schrift heißt es: „Im ersten Raum steht noch die alte riesige Weinpresse. Ein eingeschnitztes Wappen mit Krone zeigt neben dem Buchstaben die Jahreszahl 1759. Eine breite Fahrt fällt allmählich in den großen Keller ab, so dass man früher den Traubensaft gleich mit Gespannen einfahren konnte. Zwei Kellerräume liegen hintereinander, zusammen 42 m lang, jeder 5,50 m breit und mehr als 3 m hoch". Von diesen Gebäuden existiert nur noch der Weinkeller an der Schweinitzer Schule, in dem heute noch zum alljährlichen Schulfest der edle Tropfen hervorragend mundet.

Die Entwicklung des Weinbaus bis in die heutige Zeit

Nach dem Wiener Kongress 1815 kamen die nördlichen sächsischen Landesteile, darunter auch das Amt Schweinitz zu Preußen. Nach kurzzeitiger Blüte ging fortan die Weinfläche ständig zurück. 1908 wurde immerhin noch von 25 Jessener Winzern Weinbau betrieben. Trotzdem schien der Niedergang unaufhaltsam zu sein. Bis nach dem 2. Weltkrieg war der Weinbau auf 1,25 ha zurückgegangen. 1958 übernahm der Winzer Harry Hoffmann den Weinbau der Anfang der vierziger Jahre aufgerebten Flächen am Hausberg sowie am Himmelsberg von Ernst Schmidt, dem Nachfahren Johann Gottlob Schmidts. Insgesamt waren dort 4305 Stöcke der Sorte „Riesling", 3743 Stöcke „Müller-Thurgau" und 386 Stöcke „Blauer Portugieser" angepflanzt. Der 1960 gegründeten LPG „Bergland" trat auch Winzer Harry Hoffmann bei, der Weinbau wurde jedoch weiterhin bis 1973 als Dauerkultur privat betrieben. Mitte der 70er Jahre wurde festgelegt, den Weinbau um Jessen zu erhalten und so wurden 1977 1,8 ha gegenüber dem „Bergschlößchen" und 1987 1,4 ha auf „Kuhrmanns Steinberg" mit den Sorten „Riesling" und „Müller-Thurgau" sowie „Scheurebe" aufgerebt. 1979 wurde auch die alte Weinpresse, die aus dem abgerissenen Pressenhaus der Familie Rehayn in Schweinitz stammt, als Zeugnis der langen Weinbautradition auf den „Bergen" aufgestellt. Zu den Flächen um Jessen kamen ab 1984 noch ca. 5 ha bei Kleindröben hinzu. Mit den insgesamt ca. 9,5 ha Rebfläche, die Ende der achtziger Jahre um Jessen existierten, war ein Grundstock vorhanden, um auch künftig die Weinbautradition aufrecht zu erhalten.
Bis 1984 vollzog sich die Kelterei des Jessener Weines im Weinkeller des Winzers Hoffmann. Unter nahezu musealen Bedingungen wurden jährlich bis zu 20000 Flaschen Wein der Marken „Weinbergstropfen" („Müller-Thurgau") und „Elstertalrießling" („Riesling") produziert.
Seit 1985 werden die Trauben bei der Winzergenossenschaft Meißen gekeltert und zu Wein verarbeitet. Alteingesessene Winzerfamilien haben nach der Wende 1990 die Tradition des Weinbaus aufgegriffen. Die Familie Guido und Andrea Zwicker geb. Döbelt hat den Schmidt'schen Hausberg von ca. 1,0 ha Größe übernommen und in mehreren Etappen neu bepflanzt. Die Weintrauben werden im Keller des Weingutes des Prinzen zur Lippe in Proschwitz bei Meißen gekeltert.
12 ha Rebfläche werden im Weingut der Gebr. Hanke bewirtschaftet. Neben den bewährten Rebsorten „Riesling" und „Müller-Thurgau" haben neuere Sorten wie „Kerner" für Weißwein, „Schwarzriesling" und „Dornfelder" für Rotwein Einzug in das Sortiment gehalten. Die Kelterung erfolgt im eigenen, mit moderner Technik ausgestaltetem Keller. Die Weinanbaufläche hat zu Beginn dieses Jahrhunderts auf den Jessener u. Schweinitzer Bergen einen Umfang von 15 ha.

Der Obst- und Weinweg

In jeder Jahreszeit, vor allem aber während der Obstblüte, bietet sich dem Besucher der Jessener und Schweinitzer Berge ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Vorherrschend sind Einzelhöfe und neben Obstanlagen die Rebflächen der genannten Weingüter. Um es den Besuchern bei der Unübersichtlichkeit des Wegenetzes einfacher zu machen, ist 1997 auf Initiative des Fremdenverkehrsvereins der Region Jessen e.V. und des Vereins „Eigenständige Regionalentwicklung im Jessener Land" e.V. ein Obst- und Weinweg ausgeschildert worden und notwendige Informationen enthält ein reich bebildertes Faltblatt.