Ferropolis, die Stadt aus Eisen
Etwa zeitgleich mit der Wende wurde der gesamte Braunkohleabbau im Raum Gräfenhainichen und Bitterfeld in Sachsen-Anhalt eingestellt, wurden die dazugehörigen Kraftwerke stillgelegt und Teile der dort ansässigen Industrien qeschlossen.
Mit Beginn der 90er Jahre hatte die rund 150-jährige Bergbau- und Industriegeschichte Mitteldeutschlands damit einen Wendepunkt erreicht. Unumkehrbar haben sich die Wirtschaft und Gesellschaft einer ehemals bedeutenden Industrieregion von der Grundlage verabschiedet, auf; der sie einst gewachsen war. Braunkohleförderung, -Verarbeitung sowie, damit verbunden. Energieerzeugung.
Als der vergleichsweise kleine Tagebau Golpa-Nord bei Gräfenhainichen 1991 planmäßig in die Sanierung ging, sah das Restloch einer „üblichen" Zukunft entgegen Flutung und Gestaltung als Landschaftssee einschließlich Verschrottung der Tagebaugroßgeräte.
Seit den ersten Aufschlussarbeiten 1958 bis zum Jahr 1990 wurden in Golpa-Nord rund 70 Mio. t Rohbraunkohle gefördert und 340 Mio. cbm Abraum bewegt. Mit Beginn der Fremdflutung im Januar 2000 entstand bis 2003 ein 540 ha großer See. Bereits Ende 200l waren 75 % des Endwasserstandes erreicht.
CHRONOLOGIE DES PROJEKTES FERROPOLIS
Die Idee von Ferropolis, der Stadt aus Eisen, speist sich aus dem ästhetischen Faszinosum der Tagebaugroßgeräte an der stillgelegten Grube. Der Zusammenhang - zwischen der Technikfaszination der Industriemoderne und der Zerstörung der Landschaft als Sackgasse wird bildhaft vermittelt.
Die Idee war 1991 am Bauhaus Dessau entstanden. Sie ging auf im Werkstattprojekt „Industrielles Garten reich", das die Kultivierung der Landschaft als Ausdruck einer Idee, .wie im Dessau-Wörlitzer Gartenreich des 18. "Jahrhunderts praktiziert, in die nachindustrielle Landschaft übertrug. Statt die Bagger zu verschrotten, was der normale Gang der Dinge bei der Sanierung eines stillgelegten Tagebaus gewesen wäre, sollte sie erhalten und auch genutzt werden. Sie sollten zugleich einen Ort in der Tagebauwüste markieren, eine Landmarke und eine Metapher für beginnenden Wandel in Richtung eines schonenderen Umgangs mit Natur und Landschaft bilden. Die Formation der Bagger am Ende einer in das Restloch ragenden Halbinsel sollte als Zeichen bewussten kulturellen Handelns zur „Stadt" werden. Symbolisch wurde im Dezember 1995 die Stadt Ferropolis gegründet.
Seitdem wird an der Realisierung des Projektes Ferropolis gearbeitet. Wurden dafür anfangs die von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft LMBV bereit gestellten Sanierungsmittel genutzt, werden seit 1998 mit EU-Fördermitteln die infrastrukturellen Voraussetzungen für das Projekt Ferropolis geschaffen.
Die Ferropolis GmbH als Trägerin des Projektes wurde am 17.09.1997 gegründet. In dieser Gesellschaft sind neben dem 44%igen Anteil des Landkreises mit 25 % die Stadt Gräfenhainichen, mit 15% der Ferropolis Bergbau- und Erlebnisbahnverein, mit 10% die Expo 2000 Sachsen-Anhalt, welche sich mittlerweile in Liquidation befindet, mit 5% die Stiftung Bauhaus Dessau und mit 1% Martin Brück vertreten,
Das Projekt war im Jahr 2000 eines der Leitprojekte der Korrespondenzregion Dessau-Bitterfeld/Wolfen-Wittenberg zur Expo 2000 in Hannover.
VERANSTALTUNGEN
Nachdem Richtfest 1997, zu dem 4.000 Besucher kamen, begann der offizielle Veranstaltungsbetrieb im Jahr 2000, Es wurden über 60.000 Museumsbesucher und 311.000 Besucher bei Veranstaltungen registriert. Im Einzelnen waren dies ein Techno- und House-Festival mit ca. 4.000 Besuchern, ein evangelisches Jugendcamp mit 2.500 Teilnehmern sowie als Höhepunkt ein Konzert von Mikis Theodorakis mit einer beeindruckenden Licht- und Feuerwerksshow von Gert Hof vor 8.000 Besuchern.
Am ersten Augustwochenende 2000 hat das bereits 1999 erfolgreich durchgeführte melt! Openair ca. 7500 , Besucher nach Ferropolis gelockt. Daneben wurde das Angebot durch eine Vielzahl kleinerer Veranstaltungen abgerundet, somit konnte ein Anfangspunkt gesetzt werden, um Ferropolis als Veranstaltungsort zu etablieren.
Im Jahr 2001 wurden ein großes Hardrockkonzert mit über 20.000, ein Technofestival mit über 10.000 und ein Klassikkonzert mit 12.000 Besuchern, sowie einige kleinere Events veranstaltet. Es folgten in den Jahren darauf Veranstaltungen mit solchen großen Künstlern wie Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Nena, ...



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